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40 Ideen für eine nachhaltige Zukunft

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Daniel C. Esty, Professor an der Yale University, Autor und Herausgeber, über 40 grosse Ideen und eine nachhaltige Zukunft.

Worum geht es in dem von Ihnen herausgegebenen Buch «A Better Planet. Forty Big Ideas for a Sustainable Future» und warum sollten wir alle es lesen?
Die Menschheit im 21. Jahrhundert steht vor dem, was ich als «Gebot der Nachhaltigkeit » bezeichne. Wir müssen Wege zu einer nachhaltigen Energiebasis für unsere Wirtschaft finden und andere kritische Umweltthemen wie beispielsweise sicheres Trinkwasser, Luftreinhaltung und Abfallmanagement angehen. Das Buch «A Better Planet» widmet sich diesem Themenkomplex und schlägt eine Reihe praktischer Schritte nach vorn vor. Wir betrachten das Buch als Ausgangspunkt für die Art von Debatten und Gesprächen, die die Gesellschaft führen muss, um auf einen nachhaltigen Kurs zu gelangen.

Welcher Ihrer 40 Vorschläge dürfte für unser europäisches Publikum am überraschendsten sein? Zahlreiche Lösungsansätze aus dem Buch «A Better Planet» finden auf beiden Seiten des Atlantiks Anwendung – eine grössere Ausrichtung auf Systemdenken und -gestaltung, eine vermehrte Nutzung marktorientierter Politikmechanismen, der Bedarf an Anreizen zur Förderung von Innovationen sowie die Unterstützung der Umweltpolitik durch die besten verfügbaren Wissenschaften und Daten.

Die Hervorhebung der Kommunikation in mehreren der Aufsätze könnte EuropäerInnen jedoch überraschen. Wir haben in den Vereinigten Staaten noch immer eine beträchtliche Anzahl von KlimawandelleugnerInnen. Und wir haben eine noch höhere Zahl von BürgerInnen ohne jegliches Engagement. Es gibt jedoch kreative Mittel und Wege, um dieses Publikum zu seinen eigenen Bedingungen und in seiner eigenen Sprache zu erreichen. Dies zeigt das Kapitel «Hip Hop Sustainability (Hip-Hop-Nachhaltigkeit)» von Thomas Easley.

„Es gibt kreative Mittel und Wege, das Publikum zu erreichen.“

Können Sie positive Beispiele aus der Politik nennen, die irgendwo auf der Welt und in großem Maßstab erfolgreich umgesetzt wurden?
Obwohl die Vereinigten Staaten in der Frage des Klimawandels vor dem Zusammenbruch stehen, gibt es in der Tat eine Anzahl von Staaten, die beachtliche Dinge zur Reduzierung der Emissionen unternehmen.  Zehn Staaten im Nordosten und im mittleren Atlantik haben zum Beispiel eine regionale Treibhausgas-Initiative gegründet, die ein „Cap-and-Trade“-System (System des Deckelns und Handelns) für Treibhausgasemissionen vorsieht, das den Beitrag der Region zum Klimawandel spürbar reduziert und einen Mittelfluss geschaffen hat, der für Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz zur Verfügung steht.

Noch bemerkenswerter ist vielleicht, dass Connecticut seinen Anteil an den verkauften Zertifikaten für die Gründung einer „Grünen Bank“ aufwendet, die mit begrenzten staatlichen Mitteln privates Kapital in einer Weise mobil macht, die es dem Staat ermöglicht hat, seine Projekte im Bereich der sauberen Energie um das Siebenfache zu steigern, wobei Milliarden von Dollar in Solaranlagen auf Dächern, in Energieeffizienzprojekte für private und geschäftliche Zwecke, in Kleinstnetze für saubere Energie und in andere Projekte fließen.

Welche Fortschritte sehen Sie auf Seiten der Unternehmen?
Ein grundlegender Wandel wird Anstrengungen in der gesamten Gesellschaft und in der gesamten Geschäftswelt notwendig machen − angefangen bei kleinen geschäftlichen Neugründungen bis hin zu multinationalen Unternehmen. Zahlreiche Länder haben «grüne Inkubatoren» eingeführt, die kreativen Geistern und unternehmerisch handelnden Unternehmen dabei behilflich sind, Innovationen auf den Weg zu bringen. Doch auch Grossunternehmen stellen sich der Herausforderung. Die Verpflichtung Microsofts zum Ausgleich aller seiner Treibhausgasemissionen – und zwar bereits seit der Gründung des Unternehmens, nicht nur in Hinblick auf die Zukunft − ist ein eindrucksvolles Beispiel für das Wahrnehmen einer Führungsrolle im Rahmen der Nachhaltigkeit.

Und ein gutes Dutzend anderer Unternehmen, einschließlich Versorgungsunternehmen, die fossile Brennstoffe verbrennen, gehen erhebliche Verpflichtungen zur Senkung des CO2-Ausstoßes ein. Deshalb denke ich, dass wir eine Wende vollzogen haben und jetzt ein globales Engagement für das Thema Nachhaltigkeit zeigen, das ungeachtet der politischen Höhen und Tiefen in einigen Ländern zu greifen beginnt.

Werden neue Technologien unseren Planeten retten?
Mit ziemlicher Sicherheit werden neue Technologien Teil der Lösung des Gebots der Nachhaltigkeit sein, dem wir uns ausgesetzt sehen. Einer der kuriosen Gesichtspunkte der Umweltarena ist, wie unbeeinflusst sie von Informationstechnologien und anderen Durchbrüchen unseres digitalen Zeitalters ist. Beinahe jeder andere gesellschaftliche Gesichtspunkt − angefangen von der Art und Weise, wie Sportteams ihre Spieler aussuchen, bis hin dazu, wie Unternehmen Daten für ihre Marketingaktivitäten nutzen − hat in der Welt von «Big Data» einen dramatischen Wandel erfahren. Um die Herausforderungen im Umweltbereich zu meistern, erfordert dies einen ähnlichen Einsatz der Technologien. Allerdings werden technologische Durchbrüche zwar wichtig, aber nicht ausreichend sein. Auch unser Verhalten wird sich ändern müssen, um Nachhaltigkeit als einen zentralen Wert herauszubilden.

Daniel C. Esty

Dan Esty ist Hillhouse-Professor an der Yale University mit einem Vollzeit-Lehrstuhl an der Yale Environment School und der Law School und einem Teilzeit-Lehrstuhl an der Yale School of Management. Außerdem ist er Direktor des Yale Center for Environmental Law and Policy (www.yale.edu/envirocenter) und Mitglied des Beirats des Yale Center for Business and the Environment, das er 2006 gegründet hat.

Professor Esty ist Autor bzw. Herausgeber von zwölf Büchern ( einschließlich des mit einem Preis ausgezeichneten Leitfadens zur Nachhaltigkeit von Unternehmen, Green to Gold) und zahlreichen Artikeln zum Thema Umwelt- und Energiepolitik – und deren Verbindungen zu Regulierungspolitik, Unternehmensstrategie, Messung der Nachhaltigkeitsleistung, Wettbewerbsfähigkeit, Handel und wirtschaftlichem Erfolg. 

Sein vor kurzem (herausgegebener) Band, A Better Planet: 40 Big Ideas for a Sustainable Future, wurde von der Financial Times zum Spitzenbuch des Jahres 2019 ernannt.

Professor Esty war von 1989-93 in einer Reihe von leitenden Positionen in der US-Umweltschutzbehörde tätig. Während dieser Zeit leitete er den Überprüfungsprozess der EPA und half bei der Aushandlung des Rahmenübereinkommens über Klimaänderungen aus dem Jahr 1992.

Von 2011-14 kehrte er als Kommissar des Ministeriums für Energie und Umweltschutz von Connecticut in den Regierungsdienst zurück. Er leitete in dieser Funktion die Bemühungen um den Entwurf der ersten Energiestrategie von Connecticut, die Gründung einer Grünen Bank zur Förderung sauberer Energie und die Umstrukturierung der staatlichen Regulierungsprogramme. 

Bekannt für seine innovative Arbeit an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Nachhaltigkeit, hat Professor Esty auch Unternehmen, Regierungen, internationale Organisationen, NGOs und Stiftungen auf der ganzen Welt mit Strategieberatung unterstützt.