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Tesla-Koryphäe Ludwig Neer umkurvt wieder kein Thema

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Tesla – General Electric des 21. Jahrhunderts?

Wir blicken auf unsere zweite erfolgreiche Veranstaltung mit Ludwig Neer – Gründer der FairShoring gGmbH und Tesla-Koryphäe der ersten Stunde – zurück. Auch bei unserem Remake haben wir einen genaueren Blick auf Tesla und seine Zukunftsaussichten geworfen.


Der Aktienkurs von Tesla hat sich in den letzten zwei Jahren um 1300 % erhöht. Ist das das Ende oder erst der Anfang einer längeren Erfolgsgeschichte? 

Die Meinungen und Einschätzungen zu Tesla gehen weit auseinander und es lohnt sich, die Unternehmung und deren Strategie einmal genauer anzuschauen. Denn Tesla steht nicht nur für Elektromobilität – die Kompetenzen dieser Firma gehen weit über Elektromobile hinaus.


Ludwig Neer

Ludwig Neer ist Unternehmer, Investor und Gründer der FairShoring gGmbH sowie Mit-Gründer der CAS Software AG.


Die vielen spannenden Fragen der Teilnehmenden, welche während der Veranstaltung gestellt wurdeN, sollen nicht unbeantwortet bleiben, weshalb wir diese Hier zum Nachlesen für Sie zusammengestellt haben.


Q&A mit Ludwig Neer

Auch Tesla hat einen hohen Ressourcendurchsatz (Generieren der Materialien, Fabriken, Autos etc.), will Millionen neuer Autos in den Verkehr bringen? Nachhaltiger Verkehr sieht doch anders aus, oder? Wie geht das zusammen?

Lösungsansatz von Tesla hierfür ist: Eine elektrische Robotaxiflotte. Damit kann der Ressourcenverbrauch drastisch reduziert werden.

Kann Tesla sich wirklich langfristig dem H2 enthalten?

Ja, grüne H2 ist eine Fata Morgana und alles noch in der Forschungsphase. H2 wird heute in Wirklichkeit aus Erdgas hergestellt.

Es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eher gelingen, Elektroautos schnell genug zu laden, als eine H2 Infrastruktur aufzubauen und die hohen Kosten zu senken.

H2 ist eine Erzählung:

  • Wunschvorstellung der Mineralölkonzerne als Folgegeschäft
  • Für die Forschungseinrichtung erhoffte Quelle für Forschungsbudget
  • Nebelkerze für alle, die sich noch die nächsten Jahre ihren Boni nicht durch die Umstellung auf Elektro gefährden wollen

Mehr dazu finden Sie hier.

2022 soll Hyundai mit Elektroautos In die USA kommen. Kann Tesla das gefährlich werden?

Sie konkurrieren eher mit anderen Elektroautos. Tesla ist durch das eigene Supercharger Ecosystem in einer eigenen premium Klasse, wie beispielsweise Apple.

Wo sehen Sie persönlich den Automobilmarkt in 20 Jahren?

In 20 Jahren sind 80 Prozent der Autos elektrisch, 80 Prozent der jungen Leute machen keinen Führerschein mehr, 80 Prozent der heutigen Hersteller gibt es nicht mehr, 80 Prozent der Autohändler gibt es nicht mehr, Direktvertrieb der Hersteller dominiert. Tesla betreibt 80 Prozent seiner Autos in Eigenregie als Robotaxi.

Einen Vorgeschmack sehen Sie hier:

In den nächsten Jahren wird Strom weltweit immer noch hauptsächlich mit fossilen Energieträgern produziert. EV’s sind nur umweltfreundlich, wenn der Strom grün ist. Kann Tesla mit Solar Roofs, Batterien und Autobidder einen wesentlichen Beitrag leisten?

Ja, der Energiesektor von Tesla soll später auch deutlich grösser werden als der Automobilsektor.

Was halten Sie vom „Tesla and Boston Dynamics Announce Merger“?

Sie gehören momentan Hyundai. Ich glaube nicht, dass Tesla sie haben wollte.

Wie viel Einkommen generiert Tesla vom Verkauf von CO2 Zertifikaten?

4,5 % vom insgesamt 26,5 % Rohertrag im letzten Quartal. Auch ohne Zertifikate sind die Ergebnisse besser als die der anderen Hersteller (ausgenommen Ferrari). Es wird aber darüber gestritten, ob sie ohne den Verkauf der Zertifikate in der Gewinnzone wären. Ziel ist so schnell als möglich mit der Dekarbonisierung voranzukommen und dabei die Investitionen zu decken, nicht kurzfristige Gewinne für Anleger*innen zu machen. Dabei werden sie nebenbei das grösste Unternehmen der Welt, wovon die Aktionäre langfristig auch profitieren werden.

Sollte der Schwerverkehr besser mit Wasserstoff oder mit batteriebetriebenen Fahrzeugen bewältigt werden?

Selbst dort wird sich langfristig die Batterie durchsetzen, primär aus Kostengründen. Für Lkws wäre aus Platz- und Gewichtsgründen Flüssigwasserstoff nötig, also schon wieder eine komplett neue Infrastruktur. Nach gesetzlichen Vorschriften muss nach 4,5 Stunden eine 45-minütige Pause eingehalten werden – eigentlich perfekt zum Aufladen.

Selbst eine automatische Batteriewechselstation ist weniger aufwendig als eine H2 Infrastruktur.

Gibt es Synergien zwischen SpaceX und Tesla? Elektromotoren von Tesla werden nun auch für die Steuerung der Flügel bei den Fakten eingesetzt.

Kürzlich wurde bestätigt, der Roadster bekommt optional auch Raketendüsen.

Im Geschäftsbericht finden sich Hinweise darauf, dass Tesla SpaceX mit Batterien und individuellen Werkzeugen aus der eigenen Werkzeugmacher-Werkstatt beliefert.

Was ist Ihre Meinung zur Haltung von „The Big Short“-Michael Burry, der bearish auf Tesla ist? Was könnten die Gründe sein?

Ich kenne seine konkreten Gründe nicht, er begründet das mit Gewinnabhängigkeit durch Zertifikate (aber so unwissend kann er doch nicht sein?) und niemand kennt die Konditionen von seinen Put-Optionen.

Die 50 Prozent Energieeinsparung sind spektakulär: Ist dabei die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigt? Also von der Produktion der Autos und Batterien bis zu deren Entsorgung?

Sie meinen die Ankündigung am Battery Day? Ja, hierbei wird die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigt.

Tesla setzt für FSD voll auf Kamera und Vectoring. Alle anderen setzten ganz auf LIDAR. Wie sehen Sie das?

Alle anderen trauen sich an diese grosse Aufgabe nicht heran. LIDAR ist die einfachere, aber sehr beschränkte Lösung dient dazu cm genau zu bestimmen, wo man sich auf der hochauflösenden Karte befindet. Es funktioniert nur auf dafür speziell kartografierten Strassen.

Tesla hingegen will das Problem generell lösen, es soll überall funktionieren, auch bei unbekannten Strassen und Tagesbaustellen.

Immer wieder tauchen Bilder von Teslas mit LIDAR auf dem Dach auf. Diese Fahrzeuge validieren mithilfe von LIDAR das visuelle System und kein Zeichen des Umdenkens.

Sie sollten auch bedenken, dass für das autonome Fahren eine präzise Bestimmung der Positionen nicht ausreicht. Es muss auch das zukünftige Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer*innen antizipiert werden können. Das dazu notwendige KI-Modell ist deutlich komplexer als die Bild- und Raumerkennung. LIDAR erkennt zudem kein Blinken. Tesla hat bereits Radar von der Webseite entfernt, sie kommen ohne aus und lösen damit das „Phantom Braking“-Problem.

Musk hat kürzlich den hohen Energieverbrauch für die Produktion von Kryptowährungen kritisiert. Ihre Meinung? Wird er da eine Rolle einnehmen (wollen)?

Ich mag anonyme Währungen nicht leiden, weil sie Kriminalität fördern. Hingegen sind die Blockchain Konzepte genial und Elon Musk drängt die Miners zu Nachhaltigkeit, was gut ist. Wenn es nötig werden sollte, wird er vermutlich auch eine eigene Coin schaffen. Angedeutet hatte er dies in der Vergangenheit bereits.

Was halten Sie von Sandy Munro?

Ich halte ihn für kompetent und sympathisch – bin regelmäßiger Zuschauer seiner Videos.