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Grün ist das neue Gold

Von der Ökotechnologie zum Wachstumsmotor: Cleantech gehört die Zukunft – und China ist hier dem Rest der Welt meilenweit voraus. Warum ist das so? Und wie ziehen die USA im Rennen um die grüne Krone nach?

Columbus, USA, 2026: James erwacht früher als sonst – die Sonne wärmt sein Gesicht. Die Solaranlage, die er dank Subventionen kürzlich auf dem Dach seines Einfamilienhauses installiert hat, produziert schon fleissig Strom. Ins Büro fährt er mit dem SUV, vollgetankt an einer der wenigen Ökosprit-Tankstellen im Land. Auf dem Weg holt er zwei Kolleginnen ab – Fahrgemeinschaften haben Steuervorteile. Sie reden über die neuen Solarparks in Dayton und den staatlichen Zustupf für Elektroautos. James’ SUV hat noch ein paar Jahre Leben in sich; der nächste wird elektrisch.
Tianjin, China, 2026: Wang Meis smarter Wecker fährt die LED-Beleuchtung hoch. Regen prasselt an die energieeffizienten Fenster – sie sind in einer Neubauwohnung Pflicht. Wang Mei beschliesst, ihren Benzinroller stehen zu lassen und die elektrische U-Bahn zum Bahnhof zu nehmen. Diese wird mit Wasserkraft betrieben. Auf dem Weg scrollt sich Wang Mei durch die News. Sie liest vom neuen wasserstoffbetriebenen Touristenzug und erfährt von den staatlichen E-Roller-Subventionen. Sie kommen genau richtig: Benzin wird immer teurer.

Zwei Szenarien, eine Realität: Cleantech ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Grüne Technologien sind das Gold des 21. Jahrhunderts: Staaten wie Unternehmen investieren massiv in sie. Nicht nur, weil sie damit Ressourcen und die Umwelt schonen. Sondern weil sie darin eine ökonomische und geopolitische Notwendigkeit sehen.
Wer eigene Energie produziert, ist im Vorteil. Und wer die Infrastruktur dazu auch gleich selbst herstellt, ist komplett unabhängig. So gesehen ist Cleantech Sicherheitspolitik – das gilt besonders im KI-Zeitalter. Die grüne Industrie hat auch ein immenses wirtschaftliches Potenzial: Im letzten Jahr kam rund ein Drittel des Wirtschaftswachstums in China von der Cleantech-Industrie. Können die USA hier aufholen?
Die Kosten von Solar- und Windenergie sind konkurrenzlos günstig.
Andreas Schneller, Head of ENETIA Funds, De Pury Pictet Turretini & CIE SA
Von der Mine zum Produkt
Wang Mei bestellt ihren neuen E-Roller online. Wie bei den meisten Elektrofahrzeugen kommen Batterie, Motor und Rahmen aus chinesischen Fabriken und werden im Inland montiert. Einzelne Rohstoffe wie Kobalt stammen aus dem Ausland, sind aber in China verarbeitet. James bestaunt dafür den neuen elektrischen Pick-up-Truck, der fast ganz in den USA gefertigt ist – eine Seltenheit. Das Lithium für die Batterie stammt aus North Carolina. Nur schade, dass die Produktion des Elektrotrucks schon wieder eingestellt ist: Der Autobauer Ford konzentriert sich in Zukunft auf Hybridfahrzeuge.
Dank massiver Investitionen ist China heute weltweit führend im Verarbeiten und im Herstellen von Solarpanelen, Windturbinen, Batterien sowie Speichern entlang der ganzen Wertschöpfungskette. Doch die USA ziehen nach. Der Inflation Reduction Act (IRA) von 2022 hat mit attraktiven Steuerkrediten und Subventionen einen Cleantech-Boom ausgelöst – James’ Elektrotruck ist ein Resultat davon. Am Boom ändern die politischen Umschwünge nichts: Saubere Energieproduktion ist auch in den USA gekommen, um zu bleiben. Allerdings nicht, um Öl und Gas zu ersetzen. Sondern um sie gewinnbringend zu ergänzen.

Januar 2040: James und Wang Mei minimieren ihren Stromverbrauch mit KI. Die Batterien ihrer Elektrofahrzeuge sind recycelt – ohne Rohstoffe aus dem Ausland. Der Strom für Wang Meis Roller kommt aus einem Kernkraftwerk ohne Uran, eine weltweite Premiere. James’ Heimspeichersystem nutzt neben Solarstrom auch die Batterie seines Elektroautos. Wenn das nicht reicht, bezieht er Strom aus dem petrothermalen Geothermiekraftwerk. Davon gibt es immer mehr im Land.
Zwei Strategien
Wang Mei lädt ihren Elektroroller dank des nationalen Ultrahochspannungsnetzes zu einem grossen Teil mit erneuerbaren Energien aus Wasser, Wind oder Sonne. James nutzt einen klassischen Strommix aus Erdgas, Kohle und Kernkraft, minimal ergänzt durch Wind- und Solarkraft. 74 Prozent aller grossen Wind- und Solarprojekte entstehen zurzeit in China. Während das Land auf eine langfristige staatliche Strategie und maximale Skalierung setzt, treiben in den USA vor allem private Unternehmen, zum Teil mit staatlicher Unterstützung, Innovationen voran – etwa bei Wasserstoff-Gasturbinen oder der Geothermie. In Utah finanziert Google zum Beispiel gerade das grösste petrothermale Geothermiekraftwerk der Welt. Diese noch junge Technologie hat enormes Potenzial: Sie nutzt die Hitze tief im Gestein und kommt deshalb ohne Thermalquellen und ohne Speicher aus.
Fazit: Wer bestimmt die Cleantech-Zukunft?
Das Rennen um die grüne Krone hat zwei Ziele: sich möglichst schnell möglichst unabhängig zu machen – und die Cleantech-Produktion weltweit anzuführen. China hat beide Ziele erreicht. Das Land nutzt zwar Kohle, aber auch Cleantech in grossem Stil und exportiert es in die ganze Welt. Und die USA? Sie holen langsam, aber sicher auf. Ihre Stärke liegt in digitalen Lösungen und spezialisierten High-End-Komponenten – beides zentrale Elemente für eine langfristige Cleantech-Führungsrolle.

Globalance View
Cleantech skaliert global: Batterien, Solarenergie und Elektromobilität wachsen rasant.
China prägt die Kostenkurve: Skalierung und industrielle Stärke setzen neue Preisstandards.
Globalance investiert in führende Anbieter: weltweit – darunter auch BYD und CATL.

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