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Warum Bergbau in ein zukunftsfähiges Portfolio gehört

Die Energie- und Mobilitätswende, die Digitalisierung und der Ausbau künstlicher Intelligenz haben eines gemeinsam: Sie sind auf Industriemetalle angewiesen.

Ein Smartphone enthält bis zu 50 verschiedene Metalle, und auch Stromnetze, Rechenzentren sowie Technologien zur Erzeugung erneuerbarer Energien – etwa Windkraft- und Solaranlagen oder Batteriespeicher – wären ohne Kupfer, Nickel, Lithium, seltene Erden oder Graphit schlicht nicht denkbar.

Wie materialintensiv die Transformation tatsächlich ist, zeigen die Zahlen: Für die Erzeugung einer Gigawattstunde (GWh) Strom benötigt eine Onshore-Windkraftanlage rund 7’093 kg Metalle und Mineralien, Solar-Photovoltaik etwa 1’809 kg und Batteriespeicher weitere 427 kg. Die Realität ist deshalb eindeutig: Keine Transformation ohne Rohstoffe.

Materialbedarf für CO₂-arme Stromerzeugung

Und dieser Rohstoffbedarf wächst, während die Angebotsseite hingegen nur sehr langsam reagiert. Von der Entdeckung eines Rohstoffvorkommens bis zur tatsächlichen Produktion vergehen im Durchschnitt rund 17 Jahre. Gleichzeitig sinken die Erzgehalte vieler Kupferminen seit Jahrzehnten kontinuierlich.

Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt bereits heute vor erheblichen Versorgungslücken bis 2035. Selbst wenn sämtliche geplanten Projekte umgesetzt würden, drohen Defizite bei zentralen Metallen wie Kupfer (nur 70% des Bedarfs gedeckt) oder Lithium (nur 46% des Bedarfs gedeckt).

Das geopolitische Risiko wird unterschätzt

Zum knappen Angebot kommt eine geopolitische Dimension hinzu, die sich besonders am Beispiel Chinas und der seltenen Erden verdeutlichen lässt. Im Jahr 2024 hielt China knapp die Hälfte der bekannten Reserven seltener Erden. Auch Brasilien, Indien, Australien und Russland verfügen über bedeutende Reserven, fördern derzeit jedoch nur geringe Mengen.

Bei der Verarbeitung zeigt sich jedoch eine zunehmende geopolitische Konzentration. Bei seltenen Erden entfallen rund 90 % der Raffination und etwa 94 % der Produktion von Permanentmagneten auf China. Die seit 2025 verschärften Exportkontrollen auf schwere seltene Erden haben westlichen Industrien deutlich vor Augen geführt, wie abhängig globale Lieferketten geworden sind. So musste beispielsweise Ford die Produktion seines Explorer SUV im Werk Chicago für eine Woche komplett stilllegen. Diese Entwicklung verändert die strategische Bedeutung westlicher Rohstoffproduzenten und -Verarbeiter fundamental.

Europa und die USA reagieren inzwischen mit industriepolitischen Programmen:

  • Der EU Critical Raw Materials Act priorisiert strategische Projekte innerhalb Europas. Zusätzlich zielt er auf die Diversifizierung der Seltene-Erden-Beschaffung ab – von Minen in Afrika und Australien hin zu einer ausgebauten Recyclinginfrastruktur innerhalb der EU.
  • Die USA regulieren über den Defense Production Act (DPA). Neue US-Beschaffungsregeln verbieten ab 1. Januar 2027 chinesische seltene Erden in der gesamten Verteidigungslieferkette – von der Mine bis zum fertigen Produkt. Gleichzeitig entstehen Aufholprojekte, unter anderem durch Direktinvestitionen des Verteidigungsministeriums in den gezielten Aufbau resilienter Lieferketten, auch innerhalb der USA.

Metall ist nicht Öl

Ein zentraler Unterschied wird in der öffentlichen Diskussion oft übersehen: Metall wird nicht verbraucht. Fossile Brennstoffe werden einmal verbrannt und verbleiben anschliessend als CO₂ in der Atmosphäre. Ein Kupferatom hingegen bleibt Kupfer. Es kann im Prinzip unbegrenzt wiederverwendet werden. Das geförderte Metall wird damit Teil einer wachsenden „urbanen Mine“ – eines langfristigen Rohstoffbestands innerhalb der Gesellschaft.

Recycling wird deshalb künftig eine entscheidende Rolle spielen. Heute sind die Recyclingquoten vieler kritischer Metalle jedoch noch zu tief, um den rasch steigenden Bedarf vollständig zu decken. Gerade in der aktuellen Hochlaufphase bleibt Primärförderung unverzichtbar.

Die grosse Inkonsistenz vieler Nachhaltigkeitsansätze

Wer E-Mobilität, erneuerbare Energien oder KI als zukunftsfähig betrachtet, gleichzeitig aber Bergbau pauschal ausschliesst, argumentiert inkonsequent. Denn die Materialien werden trotzdem gefördert, nur möglicherweise von Produzenten mit tieferen Umwelt- und Sozialstandards. Ausschluss löst das Problem nicht. Entscheidend ist vielmehr, eine holistische Perspektive einzunehmen und die Produktwirkung einzubeziehen. Ausserdem gilt es zu fragen, welcher Bergbau betrieben wird. Jede Mine verursacht negative Externalitäten. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Umso wichtiger ist es, diese Auswirkungen möglichst stark zu minimieren.

Dafür braucht es:

Stabile Regionen und Regulierung

Bevorzugt werden Produzenten in geopolitisch stabilen Regionen mit verlässlichen regulatorischen Rahmenbedingungen – idealerweise in Europa oder anderen rechtsstaatlich gefestigten Märkten.

Fokus auf kritische Metalle

Im Zentrum stehen Metalle und Rohstoffgruppen, die von der EU als strategisch oder kritisch eingestuft werden – darunter Kupfer, Nickel, Lithium, seltene Erden oder Graphit.

Anerkannte Nachhaltigkeitsstandards

Unternehmen sollten mindestens einen anerkannten Bergbau-Standard wie ICMM oder IRMA erfüllen und transparent über Umwelt- und Sozialthemen berichten. So sollte bei auf Stufe Mine insbesondere auf den Umgang mit Rückständen in Schlämmen und Wasser sowie Renaturierungsinitiativen geachtet werden. Zusätzlich fallen Arbeitsbedingungen sowie der Umgang mit der lokalen Bevölkerung stark ins Gewicht.

Ein interessantes Beispiel ist Sumitomo Metal Mining. Das Unternehmen ist nicht nur im klassischen Bergbau aktiv, sondern zunehmend auch in Raffination, Batteriematerialien und Recycling positioniert. Besonders relevant ist die Zusammenarbeit mit Toyota bei Kathodenmaterialien für Festkörperbatterien.

Globalance View

Die Welt elektrifiziert, digitalisiert und automatisiert sich gleichzeitig. Der dafür notwendige Rohstoffbedarf ist kein kurzfristiger Zyklus, sondern ein langfristiger struktureller Trend. Die Mine bleibt dabei der Engpass.

Entscheidend ist jedoch nicht ob Rohstoffe gefördert werden, sondern wie, wo und wofür. Selektive Investitionen mit Fokus auf stabile Regionen, kritische Metalle und hohe Standards ermöglichen es, von diesem strukturellen Wachstum zu profitieren und gleichzeitig verantwortungsvollere, resilientere Lieferketten zu fördern.


Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageempfehlung noch eine Beratung dar.

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