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Mangroven, Meeresfrüchte und Kapital

Die Natur ist das Fundament unserer Wirtschaft – und sie gerät zunehmend unter Druck. Am Beispiel der Mangrovenwälder zeigen wir, warum Biodiversität zur Anlagefrage wird und wie Kapital zur Lösung beitragen kann.
Lange galt Naturverlust als Umweltthema. Heute ist er ein handfestes wirtschaftliches Risiko. Laut einer Analyse des World Economic Forum hängt über die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung – rund 44 Billionen US-Dollar – mässig bis stark von intakter Natur ab (WEF). Landwirtschaft und Nahrungsmittel gehören zu den abhängigsten Branchen.
Vier Megatrends treiben das Thema

Biodiversitätskrise
Ökosysteme verlieren ihre Fähigkeit, Nahrung, sauberes Wasser oder Küstenschutz bereitzustellen.
Wachsender Proteinbedarf
Eine wachsende Weltbevölkerung braucht mehr Nahrung – Meeresfrüchte sind dabei eine zentrale Quelle.


Klimawandel
Natürliche CO₂-Speicher wie Wälder und Küstenökosysteme werden wichtiger – und wertvoller.
Regulierung und Offenlegung
Das globale Biodiversitätsabkommen von Kunming-Montreal verlangt, dass Unternehmen und Finanzinstitute ihre Naturrisiken und -wirkungen erfassen und offenlegen.

Mangroven: kleine Fläche, grosse Wirkung
Kaum ein Ökosystem zeigt die Spannung zwischen Nahrung und Natur so deutlich wie die Mangrovenwälder an tropischen Küsten. Einige Zahlen zur Einordnung:
51 %
Fisch und Meeresfrüchte kommt aus der Aquakultur (2022).
>1 Mio.
Hektar weltweit verlorene Mangrovenfläche seit 1996.
394t
Durchschnittlich gespeicherter Kohlenstoff pro Hektar Mangroven.
43 % der Mangrovenverluste zwischen 2000 und 2020 sind auf Aquakultur, Ölpalmen und Reis zurückzuführen. Die gute Nachricht: Seit 2010 hat sich der Verlust verlangsamt. Mit dem Mangrove Breakthrough wollen Regierungen und Organisationen bis 2030 die Zukunft von 15 Millionen Hektar Mangroven sichern – mit Investitionen von rund 4 Milliarden US-Dollar (IUCN).
Wenn Crevetten Wälder pflanzen – Blueyou & Globalance
Das Schweizer Unternehmen Blueyou zeigt mit seinem Programm Selva Shrimp®, wie der Konflikt zwischen Nahrung und Natur durch restaurative Mangroven-Aquakultur aufgelöst werden kann. Seit 2008 pflanzen Kleinbauern in Vietnam Mangroven direkt in ihre Crevettenteiche. Die Bäume liefern Schutz und Nahrung, Krebse und Fische leben mit. Futter, Dünger und Chemikalien braucht es nicht.
Die bisherige Bilanz: über 3’450 Kleinbauern, rund 12’400 Hektar wiederhergestellte Mangroven und über 88 Millionen gepflanzte Bäume. Gegenüber konventioneller Zucht ist der CO₂-Fussabdruck gemäss Blueyou rund viermal tiefer.
Gemeinsam mit Vlinder, Restor und dem Mangrove Breakthrough hat Blueyou zudem ein Manifest lanciert. Die Vision bis 2040: eine Million Hektar degradierter Küste in produktive Lebensräume verwandeln und 10 Millionen Menschen in Küstengemeinden unterstützen. Das ist ein Potenzial, keine Prognose – aber es zeigt die Grössenordnung.
An unserem gemeinsamen Event mit Blueyou am 12.11.2026 erzählt Blueyou Gründer René Benguerel, wie die Arbeit mit Küstengemeinschaften in der Praxis aussieht: Was funktioniert bereits? Wo wird es schwierig? Und kann ein solches Modell auch wirtschaftlich bestehen? Anschliessend führt uns ein Rundgang durch den Masoala Regenwald im Zoo Zürich. Dort erleben wir die Vielfalt eines tropischen Lebensraums aus nächster Nähe.
Welche Rolle spielt Kapital?
Gute Ideen gibt es genug – was fehlt, ist Geld in der richtigen Form. Kleinbauern können die ersten Jahre einer Umstellung kaum allein finanzieren. Deshalb setzt das Manifest auf Blended Finance: Öffentliche und philanthropische Gelder tragen die frühen Risiken, privates Kapital folgt, sobald sich ein Modell bewährt hat.
Kapital wirkt dabei auf drei Ebenen:
- Über Aktien und Anleihen: Investoren entscheiden mit, welche börsenkotierten Unternehmen günstiger an Kapital kommen – und senden so ein Signal an ganze Branchen.
- Direkt in Projekte: etwa über Impact-Fonds oder Blue-Carbon-Zertifikate, die Renaturierung finanzieren.
- Über Kredite an Unternehmen: Ein Beispiel ist das Finanzierungspaket der Asiatischen Entwicklungsbank von 150 Millionen US-Dollar für nachhaltige Crevettenzucht beim thailändischen Konzern Thai Union (ADB).
Globalance View
Unternehmensbeispiele und der Globalance Ansatz
Blueyou ist nicht börsenkotiert, zeigt aber, wonach wir suchen: Geschäftsmodelle, die Natur nicht nur weniger belasten, sondern aktiv wiederherstellen. Auch grosse kotierte Konzerne bewegen sich. Thai Union etwa investiert im Rahmen seiner Strategie SeaChange® 2030 rund 200 Millionen US-Dollar in eine nachhaltigere Lieferkette, darunter Mittel für die Wiederherstellung von Ökosystemen (Kaohoon). Solche Ankündigungen prüfen wir kritisch – entscheidend ist die messbare Wirkung.
Globalance setzt in Branchen mit grossem Naturverbrauch und grosser Naturabhängigkeit – etwa Nahrungsmittel, Landwirtschaft oder Fischerei – auf den Positive Contribution Biodiversity Score des Pariser Datenanbieters Iceberg Data Lab:
- Wir identifizieren die Sektoren, die besonders stark auf Natur angewiesen sind und sie besonders stark belasten.
- Innerhalb dieser Sektoren bewerten wir jedes Unternehmen mit dem Score.
- Nur die Besten ihrer Branche schaffen es ins Portfolio.
Der Score erfasst nicht nur Schäden, sondern auch aktive Beiträge zur Biodiversität. Ein Pfeiler ist die positive Umgestaltung von Land, etwa durch Renaturierung (Environmental Finance) – so wie es in den Mangroven geschieht.
Was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger?
Naturrisiken sind Finanzrisiken
Wer stark von Ökosystemen abhängt, ist verwundbar, wenn diese kippen. Das betrifft Erträge, Lieferketten und Reputation.
Ausschluss allein greift zu kurz
Ganze Branchen zu meiden, ignoriert die Unternehmen, die den Wandel vorantreiben. Ein Best-in-Class-Ansatz belohnt die Vorreiter.
Messbarkeit wird zum Standard
Mit Daten wie jenen von Iceberg Data Lab lässt sich Wirkung vergleichen – und Greenwashing besser erkennen.
Chancen entstehen
Restaurative Modelle können Erträge für Bauern steigern und zugleich Natur und Klima stärken. Unternehmen, die solche Lösungen in ihre Lieferketten holen, sind für die Zukunft besser aufgestellt.

«Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie Unternehmen mit Natur wirtschaften. Als Investoren können wir mitentscheiden, wer dabei vorne liegt.«
Peter Zollinger – Leiter Impact Research
Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageempfehlung noch eine Beratung dar.
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