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Auch null Grenzkosten brauchen Energie

Das Elektroauto wird zum Heimspeicher, die Solaranlage zum Minikraftwerk – und die Stromrechnung geht gegen null. Was passiert, wenn Strom fast nichts mehr kostet? Wer gewinnt dazu, wo entstehen Nadelöhre?

Der Ölpreis steigt – doch nachhaltige Energie ist günstiger denn je. In den letzten Jahren sind die Kosten für das Erzeugen von Solar- und Windkraft enorm gesunken. Gleichzeitig ist der kollektive Energiehunger so gross wie noch nie: KI treibt den Strombedarf in historisch einmalige Höhen. Was bedeutet das für uns, heute und in Zukunft? Wo entstehen Werte, wo Knappheit?

Strom powert die Null-Grenzkosten-Gesellschaft

Das Digitale wirkt grenzenlos: Das ist die Grundannahme der Null-Grenzkosten-Gesellschaft. Ist das E-Book einmal geschrieben, lässt es sich millionenfach reproduzieren – mit null Mehrkosten. So zumindest die Theorie.

Die Realität sieht ein bisschen anders aus: Ein digitales Buch braucht zwar weder Papier noch Druckmaschinen. Dennoch hat es einen Footprint. Seine Reise vom digitalen Schreibtisch in den Kindle geht durch Kabel, Antennen und Datenzentren.

Buchstaben werden zu Bits und Bytes, Geschichten zu elektrischen Signalen. All das braucht Strom – und damit auch Metalle wie Kupfer oder Lithium und seltene Erden. Genau hier entsteht die neue Knappheit.

Erneuerbare Stromproduktion braucht mehr und intelligentere Netze

50 Mio.

Kilometer neue Stromleitungen müssen gebaut werden.

30 Mio.

Kilometer Stromleitungen müssen erneuert werden.

200

Leitungen zum Mond sind das Äquivalent.

Das Energiedilemma

Energie spielt in der Null-Grenzkosten-Gesellschaft eine Doppelrolle. Das Dilemma: Je digitaler und intelligenter unsere Energiewelt wird, desto höher wird ihr Energiebedarf.

Auf der einen Seite machen Solaranlagen und smarte Heimsysteme Privathaushalte zum Kraftwerk. So demokratisieren sie die Stromerzeugung und bringen die Kosten für die Endverbrauchenden tatsächlich in Richtung null. Damit das gelingt, braucht es im Moment vor allem noch eines: smarte Speicher.

Andererseits bleibt die gemeinsame Infrastruktur unverzichtbar. Damit das alles funktioniert, braucht es nach wie vor Stahl und Beton, Leitungen und Sendestationen – und vor allem immer mehr Rechner.

Rechenleistung als Treibstoff

Der neue Wert der Energieproduktion liegt im Speichern, im Transportieren und vor allem im Verarbeiten von Strom. Rechenleistung ist der Treibstoff, Datenzentren sind die Infrastruktur. Und diese wächst gerade rasant – auch in der Schweiz. Nach einer Studie des Bundesamts für Energie liegt der Anteil der Datenzentren am nationalen Stromverbrauch aktuell bei etwa 3,6 Prozent. Bereits im Jahr 2030 dürften es gemäss der Studie knapp 6 Prozent sein, weitere Schätzungen gehen von bis zu 15 Prozent aus. Wird unser Strom knapp?

«Aktuell hat die Schweiz bei der Stromversorgung noch Kapazitäten – ganz im Unterschied zu anderen europäischen Ländern», sagt Adrian Altenburger, Mitautor der Studie und Professor an der Hochschule Luzern. Das kann sich schnell ändern. Besonders falls sich die Schweiz dank der guten Stromversorgung als KI-Standort etabliert. «Dann liegen die möglichen Engpässe weniger in der Produktion als im Netz und in der saisonalen Speicherkapazität.» Um diesen Engpässen entgegenzuhalten, plant Swissgrid einen massiven Ausbau mit Anschluss an den entstehenden europäischen Supergrid bis 2040.

Der Datenzentrenboom treibt auch die Entwicklung von nachhaltiger Stromerzeugung voran. Wie zum Beispiel auf dem Metro-Campus Zürich in Dielsdorf.

Green.ch

In Dielsdorf, wo einst Landwirte ihre Äcker bewirtschafteten, hat Green.ch mit dem Metro-Campus Zürich drei Hochleistungsrechenzentren gebaut. Seinen Ursprung hat Green.ch in einem Projekt des Schweizerischen Bauernverbandes, das auch abgelegenen Landregionen Internetzugang ermöglichte.

Heute sticht der Metro-Campus Zürich durch eine Besonderheit hervor: Er heizt im Wärmeverbund bis zu 3500 Haushalte und die umliegende Industrie mit der Abwärme, die durch die Rechner entsteht. Und macht so Abfall wertvoll.

Standortvorteile nutzen

Der Energiehebel der Zukunft liegt in der intelligenten Nutzung. Die Frage ist nicht mehr nur, ob Energie verfügbar ist. Sondern wer sie intelligent steuert, speichert und priorisiert.

Das schafft für die Schweiz neue Abhängigkeiten von Rohstoffen und Produzenten. Gleichzeitig eröffnet es eine Chance. Denn auch die Industrie folgt dem Strom: Fabriken entstehen dort, wo Strom günstig und zuverlässig verfügbar ist. Besonders energieintensive Branchen könnten sich damit regional umordnen: Weg von fossilen Brennstoffen und grossen Märkten, hin zu jenen Standorten, die verlässlich und nachhaltig Strom bereitstellen.

Globalance View

Die Energie der Zukunft braucht starke Netze, Speicher und Verteiler. Wir investieren gezielt in Unternehmen wie Itron oder Prysmian, die mit intelligenter Mess- und Infrastrukturtechnik das Rückgrat für diese neue Energiewelt bilden.

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