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Es geht ohne Kernenergie

Weshalb die Fakten aus Sicht der Politik sowie von Investorinnen und Investoren gegen Kernkraft sprechen — trotz neuer geopolitischer Unsicherheiten.
WORUM ES GEHT
Kernenergie verursacht im Betrieb kaum Treibhausgasemissionen. Deshalb wird ihr Ausbau seit Jahren als möglicher Beitrag zum Klimaschutz diskutiert. Neue Atomkraftwerke könnten theoretisch helfen, Kohle- und Gaskraftwerke zu ersetzen, die sehr
schädlich fürs Klima sind. Das würde die Dekarbonisierung der Stromversorgung unterstützen. Gleichzeitig zeigt sich in den globalen Energieszenarien weiterhin klar: Die Haupttreiber der Transformation sind nicht neue Atomkraftwerke, sondern Erneuerbare, Netze, Speicher, Elektrifizierung und Effizienz. Diese Technologien und Infrastrukturen stehen im Zentrum der künftigen Energieversorgung.
DIE KONTROVERSE
Im Kontext der globalen Energiewende wird das Thema Kernenergie weiterhin kontrovers debattiert. Kann die Versorgungssicherheit auch in Zukunft ohne Kernkraftwerke erreicht werden? Soll die geopolitische Unsicherheit dazu führen, dass frühere Ausstiegsentscheide revidiert oder zumindest relativiert werden? Der Krieg im Nahen Osten hat diese Debatte zusätzlich verschärft. Die Störungen rund um die Strasse von Hormus haben vor Augen geführt, wie verletzlich globale Energieflüsse sind. Durch diese Meerenge wurden 2025 im Schnitt rund 20 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte pro Tag transportiert; hinzu kommt ein erheblicher Teil des globalen LNG-Handels. Entsprechend hoch ist die Bedeutung für Energiesicherheit, Preise und Handelsrouten. Unter solchen Krisenbedingungen gewinnt Versorgungssicherheit an Gewicht. Kernenergie erscheint dann manchen Staaten attraktiver, weil sie als planbare, nicht-fossile Inlandsquelle die Importabhängigkeit verringern kann. Gleichzeitig bleibt sie keine erneuerbare Energie: Sie basiert auf Uran, einem endlichen Rohstoff, dessen Förderung und Verarbeitung ebenfalls geopolitische Abhängigkeiten schafft. Hinzu kommen gewichtige Nachteile wie das Unfallrisiko, die radioaktiven Abfälle sowie die hohen Bau-, Finanzierungs- und späteren Stilllegungskosten neuer Atomkraftwerke. Dass sich Regierungen in Krisen auf mehr als nur eine Technologie stützen, ist nachvollziehbar. Daraus folgt aber noch nicht, dass Kernenergie langfristig die ökonomisch oder strategisch überzeugendste Antwort ist.
Der Globalance Standpunkt
Wir erkennen an, dass Kernenergie einen Beitrag zum Klimaschutz und in einzelnen Ländern auch zur Versorgungssicherheit leisten kann. Dennoch überzeugt uns der Neubau von Kernkraftwerken weder wirtschaftlich noch aus Sicht eines zukunftsfähigen Energiesystems. Hohe und schwer kalkulierbare Investitionskosten, lange Realisierungszeiten und ungelöste Risiken sprechen dagegen. Globalance ist überzeugt, dass eine zukunftsfähige Energieversorgung grundsätzlich auch ohne neue Kernkraftwerke gelingen kann. Für private Investorinnen und Investoren sehen wir in der Kernenergie deshalb keine überzeugende langfristige Anlageperspektive.
Zukunftsfähige Energieversorgung ohne Kernenergie?
Namhafte internationale Organisationen zählen die Kernenergie zu den Pfeilern, auf denen ein klimafreundliches Energiesystem in den kommenden Jahrzehnten aufgebaut sein kann. Im Netto-Null-Szenario der Internationalen Energieagentur IEA wird bis 2050 weltweit etwa doppelt so viel Elektrizität in Atomkraftwerken produziert wie heute.
Auch die EU trägt diesen Argumenten Rechnung: Auf Druck insbesondere Frankreichs und mehrerer mittel- und osteuropäischer Staaten hat sie bestimmte Kernenergieaktivitäten unter strengen Bedingungen als «grün» klassifiziert. Diese Staaten erhoffen sich davon, Neubauten und Laufzeitverlängerungen leichter mit privatem Kapital finanzieren zu können.
Rechtfertigen Klimaschutz und Versorgungssicherheit also den Bau neuer Atomkraftwerke – trotz aller Bedenken, die traditionell mit dieser Technologie verbunden sind? Und wenn ja: Welche Rolle spielen Investorinnen und Investoren dabei? Können wir unseren Kundinnen und Kunden ein Investment in diese Technologie oder gar in Uranminen empfehlen?
Aus diesen Gründen ist nachvollziehbar, dass einzelne Staaten die Kernenergie weiterhin oder wieder höher gewichten.
PRO: WAS FÜR DIE KERNENERGIE SPRICHT

Die globale Erwärmung ist eines der dringendsten Umweltprobleme überhaupt. Jede Kilowattstunde klimafreundlich erzeugten Stroms zählt. Deshalb wäre es in vielen Ländern wenig sinnvoll, bestehende Kernkraftwerke vorschnell stillzulegen, wenn an ihre Stelle fossile Kapazitäten treten müssten. Kernenergie liefert zudem wetterunabhängig Strom und kann damit die Stabilität eines Energiesystems stützen. Gerade in einer Welt, in der geopolitische Konflikte, Cyberrisiken und Störungen von Handelswegen zunehmen, erscheint diese Eigenschaft attraktiver als in stabileren Zeiten. Hinzu kommt, dass Kernkraftwerke im Verhältnis zur produzierten Strommenge nur wenig Fläche beanspruchen.
KONTRA: DIE WAHREN KOSTEN SIND ZU HOCH

Für die Energiewende spielt die Musik nicht bei der Kernenergie, sondern bei den erneuerbaren Energien und der dazugehörigen Infrastruktur. Die Internationale Energieagentur beschreibt eine Welt, in der Energiesicherheit, Elektrifizierung und der Ausbau sauberer Technologien zusammengedacht werden müssen. Erneuerbare Energien verzeichnen weiterhin Rekorde beim Zubau, und moderne Stromsysteme benötigen vor allem Netze, Speicher und Flexibilität. Neue Atomkraftwerke passen in diese Dynamik nur bedingt: Sie sind teuer, komplex und langsam. Gerade in liberalisierten Strommärkten sind sie ohne starke staatliche Unterstützung kaum finanzierbar. Hinzu kommen Risiken, die nicht konventionell versicherbar sind, sowie Unsicherheiten bei Rückbau und Entsorgung.

Finanzielle Fakten zur Kernkraft
Sehr lange Realisierungsdauer: Neue Kernkraftwerke brauchen in fortgeschrittenen Volkswirtschaften häufig viele Jahre bis zur Inbetriebnahme; die IEA hält fest, dass jüngere Projekte in diesen Märkten oft deutlich über Budget und hinter Zeitplan lagen. Für die Energiewende bis 2030 ist daher weniger die technische Machbarkeit als die Umsetzungsgeschwindigkeit das zentrale Problem.
Quelle: IEA, Nuclear Power and Secure Energy Transitions, 2022; IEA, The Path to a New Era for Nuclear Energy, 2025
Hohe und unsichere Investitionskosten: Neue Kernkraftwerke sind kapitalintensiv. Die IAEA verweist auf Basis von IEA-Schätzungen für jüngere Erstprojekte in der EU, Grossbritannien und den USA auf berichtete Kapitalkosten von rund USD 8’000-11’000 pro kW oder mehr; in Ländern mit laufender Bauerfahrung wie China, Südkorea oder Russland liegen berichtete Werte eher bei USD 2’500-5’000 pro kW. Für ein grosses Kernkraftwerk von 1.2-1.6 GW entspricht dies grob CHF 3-16 Milliarden, je nach Standort, Finanzierungskosten und Projektrisiko.
Quelle: IAEA, Climate Change and Nuclear Power 2024; IEA, Nuclear Power and Secure Energy Transitions, 2022
Nicht vollständig privat versicherbar: Schwere Nuklearunfälle können sehr hohe, grenzüberschreitende und schwer kalkulierbare Schäden verursachen. Deshalb begrenzen Haftungsregime die Verpflichtung der Betreiber und stützen sich auf staatliche Absicherung. In den USA beträgt die private Primärdeckung pro Standort rund USD 500 Millionen; ergänzt wird sie durch einen branchenweiten Pool von über USD 16 Milliarden. Darüber hinaus entscheidet der Staat über zusätzliche Katastrophenhilfe.
Quelle: U.S. Nuclear Regulatory Commission, Backgrounder on Nuclear Insurance and Disaster Relief, 2025; U.S. Congressional Research Service, Price-Anderson Act, 2025
Strom aus neuen Kernkraftwerken ist teuer: Bestehende Kernkraftwerke können bei Laufzeitverlängerungen sehr günstigen CO2-armen Strom liefern. Neue Kernkraftwerke sind dagegen stark von Kapitalkosten, Bauzeiten und Finanzierungskonditionen abhängig.
Quelle: IEA/OECD-NEA, Projected Costs of Generating Electricity 2020; OECD-NEA LCOE Calculator
Erneuerbare sind bei neuen Kapazitäten meist günstiger: Die IEA/OECD-NEA-Daten zeigen, dass die Kosten vieler erneuerbarer Technologien deutlich gefallen sind und Solar-PV sowie Onshore-Wind in vielen Märkten bereits günstiger sind als konventionelle Alternativen und neue Kernkraft.
Quelle: IEA/OECD-NEA, Projected Costs of Generating Electricity 2020; OECD-NEA, 2020

In Kernenergie investieren, was heisst das konkret?
Die Möglichkeiten für private Anlegerinnen und Anleger, in Kernenergie zu investieren, sind beschränkt. Viele grosse Betreiberfirmen befinden sich in Staatsbesitz, zahlreiche Hersteller sind nicht börsenkotiert, und bei Uranproduzenten konzentriert sich das Anlageuniversum stark auf wenige Unternehmen und Länder. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass Investitionen in Betreiberunternehmen erheblichen politischen, regulatorischen und haftungsbezogenen Risiken ausgesetzt sind. Auch dort, wo der politische Rückenwind für die Kernenergie zunimmt, verbessert das das Chance-Risiko-Profil für private Investoren nur begrenzt.
Viel interessanter für uns ist die saubere Energie – also jene Bereiche, die den Ausbau der künftigen Energieversorgung tatsächlich tragen: erneuerbare Energien, Stromnetze, Speicher, Elektrifizierung und Effizienz. Dort bestehen vielseitigere Möglichkeiten, zum Umbau des Energiesystems beizutragen und zugleich zukunftsfähige Erträge zu generieren. Deshalb konzentrieren wir uns bei Globalance auf diesen Bereich. Die Kernenergie überlassen wir anderen Akteuren.
Atomkraft lohnt sich nicht
Lohnt es sich, in Kernenergie zu investieren? Aus heutiger Sicht lautet unsere Antwort klar: nein.
Die Investitionsmöglichkeiten für private Anlegerinnen und Anleger sind beschränkt und mit erheblichen politischen, regulatorischen und finanziellen Risiken verbunden. Hinzu kommen lange Bauzeiten, hohe Kapitalkosten und eine starke Abhängigkeit von staatlichen Rahmenbedingungen. Auch zunehmender politischer Rückenwind verändert dieses Chance-Risiko-Profil nur begrenzt.
Dass bestehende Kernkraftwerke in einzelnen Ländern einen Beitrag zu Klimaschutz und Versorgungssicherheit leisten können, stellen wir nicht infrage. Als langfristiges Investment sehen wir jedoch überzeugendere Möglichkeiten ausserhalb der Kernenergie.
Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageempfehlung noch eine Beratung dar.
Das sind alternative Zukunftsinvestitionen
Die entscheidenden Investitionen für die künftige Energieversorgung liegen aus unserer Sicht dort, wo neue Kapazitäten aufgebaut und Energiesysteme effizienter, flexibler und leistungsfähiger werden. Für zukunftsorientierte Investorinnen und Investoren sehen wir deshalb attraktivere Möglichkeiten in erneuerbaren Energien, Elektrifizierung, Stromnetzen, Speichern und Energieeffizienz. Diese Bereiche tragen unmittelbar zum Umbau des Energiesystems bei und eröffnen zugleich ein breiteres Spektrum an langfristigen Anlagechancen. Globalance investiert beispielsweise in Zukunftbeweger-Unternehmen, die diesen Wandel mit ihren Technologien und Lösungen ermöglichen:
ABB – Automatisierung und Elektrifizierung unterstützt die Energiewende
ABB fördert die Energiewende durch Technologien, welche die Energieeffizienz und Nachhaltigkeit verbessern.
Das Unternehmen verzeichnet ein solides Umsatz- und Gewinnwachstum und eine attraktive Dividendenrendite.


Prysmian – Kabeltechnologie für erneuerbare Energien
Prysmian unterstützt den Ausbau von erneuerbaren Energien durch fortschrittliche Kabel- und Verbindungstechnologien.
Die Gesellschaft hat einen sehr hohen Auftragsbestand und weist solide Cashflows auf.
The Renewable Infrastructure Group – Stromerträge aus verschiedenen erneuerbaren Energiequellen
The Renewable Infrastructure Group (TRIG) investiert in Europa in erneuerbare Energieprojekte wie Wind-, Solarparks und Batterien und trägt so zur Reduzierung von CO2-Emissionen bei.
TRIG erzielt stabile Erträge durch langfristige Verträge und Investitionen in ein diversifiziertes Portfolio erneuerbarer Energieanlagen.


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