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Waffen bleiben ausgeschlossen

Weshalb die veränderte Weltlage eine Neubewertung verlangt — und weshalb Rüstungsinvestitionen weiterhin nicht in ein zukunftsfähiges Portfolio gehören.

WORUM ES GEHT

Der Krieg in Europa, hybride Bedrohungen, Cyberangriffe und geopolitische Spannungen haben die Frage nach Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit neu ins Zentrum gerückt. In der politischen und regulatorischen Debatte wird deshalb zunehmend diskutiert, ob Investitionen in den Bereich Defense unter bestimmten Umständen mit zukunftsfähigem Investieren vereinbar sein können. Die Sicherheitslage hat sich verändert. Die Grundfrage bleibt jedoch: Kann eine Industrie, deren Produkte letztlich der Anwendung oder Androhung von Gewalt dienen, Teil eines zukunftsfähigen Portfolios sein?

DIE KONTROVERSE

Ein Teil der europäischen Debatte argumentiert heute, dass Sicherheit, Resilienz und Abschreckungsfähigkeit Voraussetzungen für Frieden und gesellschaftliche Stabilität sind. Entsprechend wird gefordert, den Defense-Sektor nicht mehr pauschal als unvereinbar mit nachhaltigkeitsbezogenen Anlagen zu behandeln. Die Europäische Union hat den Rahmen dafür jüngst präzisiert und die Mobilisierung von Kapital für Verteidigungsfähigkeit ausdrücklich gestärkt. Gleichzeitig bleiben die ethischen Zielkonflikte zentral: Militärische Systeme dienen letztlich der Anwendung oder Androhung von Gewalt; Transparenz, Endverwendung und menschenrechtliche Risiken bleiben hoch.

Der Globalance Standpunkt

Die veränderte sicherheitspolitische Lage verlangt eine nüchterne Neubewertung der Argumente. Globalance anerkennt, dass staatliche Verteidigungsfähigkeit, der Schutz kritischer Infrastrukturen und gesellschaftliche Resilienz heute wieder stärker in den Vordergrund gerückt sind. Dennoch halten wir daran fest, dass Waffen und Rüstung aus Impact-Sicht hoch problematisch bleiben.

Militärische Systeme sind nicht konstruktiv im engeren Sinn: Sie dienen dazu, Gewalt glaubwürdig anzudrohen oder anzuwenden. Zudem bestehen erhebliche Risiken bezüglich Endverwendung, Export, Transparenz, Korruption und menschenrechtlicher Folgen.

Zukunftsfähiges Investieren soll auf Lösungen ausgerichtet bleiben, die Schutz, Stabilität und Zukunftsfähigkeit fördern, ohne auf Zerstörung als Mittel angewiesen zu sein.

Was bedeutet die veränderte Sicherheitslage für Investorinnen und Investoren?

1. Die Weltlage hat sich verändert

Seit 2022 ist in Europa und darüber hinaus deutlich geworden, dass Sicherheit keine Selbstverständlichkeit ist. Die Europäische Union will ihre Verteidigungsbereitschaft bis 2030 substanziell stärken; mit Security Action for Europe (SAFE) wurde 2025 ein Instrument geschaffen, das bis zu 150 Milliarden Euro an Darlehen für Verteidigungsfähigkeit mobilisieren soll. Auch die Schweiz beurteilt ihre Lage neu: Der Bundesrat verweist in der Armeebotschaft 2025 ausdrücklich auf Fähigkeitslücken in Führung, Sensorik, Wirkung am Boden sowie im Cyber- und elektromagnetischen Raum.

2. Was für eine Neubewertung spricht

Für eine Neubewertung spricht, dass Verteidigungsfähigkeit als öffentliches Schutzgut verstanden werden kann. Staaten sollen ihre Bevölkerung, Infrastruktur und demokratischen Institutionen schützen können. Teile der europäischen Debatte leiten daraus ab, dass Sicherheit und Resilienz Voraussetzungen sozialer Nachhaltigkeit seien. Hinzu kommt: Der Defense-Sektor wird regulatorisch nicht mehr in jedem Zusammenhang pauschal ausgeschlossen. Der politische Druck, industrielle Kapazitäten aufzubauen, nimmt zu.

3. Was gegen Waffeninvestitionen spricht

Aus Impact-Sicht bleiben die Gegenargumente gewichtig. Waffen dienen nicht der zivilen Wertschöpfung, sondern sind auf Abschreckung, Einsatz und potenziell Zerstörung ausgerichtet. Investorinnen und Investoren haben keine Kontrolle darüber, wie militärische Systeme am Ende eingesetzt werden.

Hinzu kommen Risiken von Exporten in problematische Kontexte, Verstösse gegen humanitäres Völkerrecht, Korruption, geringe Transparenz und erhebliche Reputationsrisiken. Auch ökologische Kosten sind relevant: Militär und Rüstungsindustrie verursachen erhebliche Emissionen und Ressourcenverbräuche.

Waffen sind auf Abschreckung, Einsatz und potenziell Zerstörung ausgerichtet. Beim Investieren gibt es keine Kontrolle darüber, wie sie am Ende eingesetzt werden.

Auch aus finanzieller Sicht lohnt sich ein genauer Blick. Die jüngste Kursentwicklung vieler Rüstungstitel wirkt auf den ersten Blick attraktiv. Dahinter steht jedoch ein Markt, der stark von staatlichen Budgets, politischen Entscheiden und wenigen grossen Auftraggebern geprägt ist. Preise, Margen und Auftragsvolumen hängen deshalb weniger von klassischem Wettbewerb ab als von sicherheits- und haushaltspolitischen Prioritäten. Zudem ist die Branche zyklisch: Auf Phasen steigender Verteidigungsausgaben folgten historisch immer wieder längere Perioden mit sinkenden Budgets. Lange Beschaffungszyklen, hoher Kapitalbedarf, einzelne Grossaufträge und Exportbewilligungen können die Ergebnisse zusätzlich schwanken lassen.

Nach der deutlichen Neubewertung seit 2022 dürfte ein Teil der erwarteten Budgeterhöhungen bereits in den Kursen enthalten sein. Für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger ergibt sich daraus kein überzeugendes Risiko-Rendite-Profil — auch unabhängig von ethischen Überlegungen.

4. Praktische Sicht: Diversifikation und «Dual Use»

Auch praktisch ist das Thema schwierig. Reine Rüstungsunternehmen sind vergleichsweise konzentriert; ein breit diversifiziertes Exposure in «eindeutige» Rüstungsunternehmen ist für viele Anlegerinnen und Anleger nicht leicht zu erreichen. Häufiger sind Mischkonzerne, Zulieferer und Technologieunternehmen mit militärischen und zivilen Anwendungen. Gerade deshalb wird die Abgrenzung immer unschärfer.

«Dual use» ist ein reales und wachsendes Phänomen – etwa bei Sensorik, Software, Kommunikation, Cyberabwehr, Drohnen, Robotik oder Halbleitern.

Analysen zu Dual Use Technologies zeigen, wie stark dieser Bereich wächst. Gerade deshalb darf «dual use» nicht dazu führen, militärische Systeme begrifflich zu verharmlosen oder pauschal in den Bereich konstruktiver Zukunftslösungen zu verschieben.

Beispiel Nokia: Eine Technologie, verschiedene Einsatzzwecke

Nokias automatisierte «Drone-in-a-box»-Lösung wird unter anderem für die Überwachung von Industrieanlagen, Inspektionen und Rettungseinsätze eingesetzt. Gleichzeitig bietet das Unternehmen Kommunikationslösungen an, die auch für militärische Anwendungen genutzt werden können. Nokia steht damit beispielhaft für Technologieunternehmen, deren Produkte nicht eindeutig dem zivilen oder militärischen Bereich zugeordnet werden können.

Schlussfolgerungen für zukunftsorientiertes Investieren

Die veränderte Weltlage verlangt keine vorschnelle normative Umdeutung von Waffeninvestitionen als nachhaltig. Sie verlangt vielmehr Präzision in der Analyse, Klarheit in den Kriterien und Zurückhaltung in der Bewertung. Hinzu kommt die finanzielle Perspektive: Ein Sektor, dessen Nachfrage von politischen Entscheiden weniger staatlicher Abnehmer abhängt, ausgeprägten Budgetzyklen unterliegt und nach der jüngsten Kursrally hoch bewertet ist, bietet aus Risk-Return-Sicht keine überzeugende langfristige Anlagebasis.

Globalance bleibt deshalb bei einer grundsätzlichen Distanz zu Waffen und Rüstung. Unser Fokus liegt weiterhin auf Investitionen, die Resilienz, Stabilität und Zukunftsfähigkeit stärken, ohne destruktiv zu wirken — etwa in Energiesicherheit, Cybersicherheit, Infrastruktur, Gesundheit, Bildung und intelligente Technologien. Dort sehen wir die überzeugenderen Möglichkeiten, gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftliche Tragfähigkeit und langfristige Verantwortung miteinander zu verbinden.


Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlageempfehlung noch eine Beratung dar.


Peter Zollinger

Leiter Impact Research

Kontakt
Telefon +41 44 215 55 30
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